Schulungsmaterial

Informationsblatt

 

Hippotherapie- wie kann ich zum Erfolg meines Kindes beitragen?

 

*      Was ist Hippotherapie?

 

Definition:

 

„Hippotherapie ist eine ergänzende physiotherapeutische (krankengymnastische) Einzelbehandlung auf neurophysiologischer Grundlage mit und auf dem Pferd. Die Wirkungsweise der Therapie basiert auf der Übertragung von Schwingungsimpulsen (ca. 100 pro Minute) die über den Pferderücken in der Gangart Schritt auf das Becken und den Rumpf der Patienten weitergegeben werden. Hierdurch erfolgt eine Bewegungsanbahnung über die neurologische Bewegungsstörungen verbessert und stabilisiert werden.“ (vgl. Hippotherapiezentrum Deutschland, Unter: www.zentrum-hippotherapie.de)

 

 

Wirkungsweise:

 

Als Hippotherapie wird demnach eine spezielle Therapieform mit und auf dem Pferd bezeichnet, welche bei den verschiedensten Krankheitsbildern zur Anwendung kommt. Die Kinder (oder auch Erwachsenen) sitzen dabei auf speziell trainierten Pferden und führen je nach Können unterschiedliche Übungen aus bzw. nehmen unterschiedliche Positionen ein, wodurch ganz automatisch die Muskulatur gekräftigt, die Beweglichkeit, das Gleichgewicht sowie die Wahrnehmung für sich und die Umgebung verbessert wird, und was in den meisten Fällen den Kinder großen Spaß macht. Die Kinder werden von den Therapeuten unterstützt und gesichert. Die wichtigste Wirkung dieser Therapieform ist jedoch die Übertragung der Pferdebewegungen auf das Becken und den Rumpf der Kinder. Da die Schrittbewegungen des Pferdes Unseren sehr ähnlich sind, hilft diese Stimulation dem Kinder zur Bewegungsanbahnung („normale“ Bewegungen- nicht zuviel Muskelkrampf, aber auch nicht zu wenig Spannung im Körper- sollen möglich werden). Neurologische (durch Schädigungen im Gehirn oder Rückenmark entstandene) Bewegungsstörungen, wie Muskelkrampf oder Schlaffheit, können somit normalisiert werden. Durch die besonders einfühlsamen Eigenschaften des Pferdes und des Reitens an sich kann außerdem der soziale Kontakt der Kinder zu ihrer Umwelt verbessert werden.

 

 

Krankheitsbilder, bei denen Hippotherapie zum Einsatz kommt:

 


·         Cerebralparese (Hirnlähmung)

 

·         Down Syndrom

 

·         Multiple Sklerose

 

·         Poliomyelitis

 

·         Rehabilitation nach Unfällen

 

·         Blindheit

 

 

·         Taubheit

 

·         Anorexia / Bulimie

 

·         Entwicklungsrückstände/ Lernschwierigkeiten

 

·         Sprach- und Verhaltensprobleme

 

·         Etc.

 


*      Welche Verbesserungen der Symptome meines Kindes sind mit der Hippotherapie möglich?

 

Mögliche Erfolge, welche im Zeitraum (während, gleich danach oder auch Tage später) der Therapie auftreten können:

 

ü       der Muskelkrampf wird weniger- die Kinder können ev. erstmals die Hand öffnen, alleine Stehen oder Gehen, …

 

ü       die Spannung nimmt bei schlaffen Kindern zu- sie können ev. erstmals den Mund schließen, den Kopf heben, den Rumpf aufrichten, alleine sitzen, …

 

ü       die Muskulatur wird gekräftigt, die Beweglichkeit verbessert, das Gleichgewicht gefördert- die Kinder können ev. erstmals alleine sitzen, stehen, gehen ohne umzufallen, …

 

ü       die Wahrnehmung wird gefördert- die Kinder können ev. erstmals Etwas mit den Augen fixieren, schauen Dingen hinterher, sprechen die ersten Worte, …

 

ü       Die Orientierung im Raum wird verbessert- wovon vor Allem auch Blinde und Taube profitieren

 

ü       Die Konzentrationsfähigkeit/ soziale Fähigkeiten werden gesteigert- ev. verbessern sich die Schulleistungen, anorektische und bulemische Kinder schaffen es sich auf andere Dinge als das Essen zu konzentrieren, …

 


*      Wie kann ich mein Kind unterstützen?

 

Vor der Therapie:

 

Bereiten Sie ihr Kind bereits daheim schon auf die Therapie vor, indem Sie:

 

·         Ihm erklären, dass sie zu den Pferden fahren, welche zwar sehr große aber nicht gefährliche, sondern liebe Tiere sind

 

·         Ihm eine Idee geben was auf ihn zukommen kann (sitzen und ev. auch turnen auf den Pferden)

 

·         Ihm die Angst nehmen und versichern, dass er gut gesichert ist, die Eltern in der Nähe sind und die Therapie jederzeit abgebrochen werden kann

 

 

Während der Therapie:

 

Ist es je nach Kind unterschiedlich ob die Therapeuten Sie bitten:

 

·         Bei der Therapie dabei zu sein und das Kind auf einer Seite des Pferdes zu sichern und ev. bei Positionswechsel mithelfen

 

·         Bei der Therapie in Sichtweite des Kindes, jedoch außerhalb des Therapiefeldes zu bleiben

 

·         Bei der Therapie außerhalb der Sichtweite des Kindes zu bleiben (wenn die Kinder sonst zu sehr abgelenkt sind)

 

 

Nach der Therapie:

 

Der Zeitraum danach stellt einen wesentlichen Part der eigentlichen Therapie dar, da nach der Therapie die Lernbereitschaft des Körpers am größten ist! Sofern das Kind nicht direkt danach eine physiotherapeutische Einzelbehandlung erhält, ist es Ihre Aufgabe diesen Zeitraum zu nutzen um bestimmte Übungen mit dem Kind durchzuführen:

 

 

Bei Muskelkrampf: Bewegen Sie alle Gelenke des Körper Ihres Kindes durch (Wichtig ist hierbei, dass die Bewegungen langsam und flüssig sind und Sie niemals gewaltsam gegen den Krampf arbeiten!): (jede Bewegung in dieser Reihenfolge im Sitz oder Rückenlage des Kindes ca. 30 sec. durchführen)

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Therapeuten bzw. lassen Sie sich die Übungen vorzeigen!

 

·         Angefangen am Rumpf- setzen Sie sich z.B hinter das Kind, umfassen mit beiden Händen seinen Brustkorb und rotieren nach links und rechts (dies wirkt krampflösend auf den gesamten Körper)

 

·         Fassen Sie anschließend mit beiden Händen auf das Schulterblatt des Kindes und bewegen es nach oben/unten sowie zur Wirbelsäule und nach außen

 

·         Nehmen Sie einen Ober- und Unterarm mit den Händen und führen Sie vorsichtige Kreisbewegungen im Schultergelenk durch (zuerst kleine Kreise, dann immer größer)

 

·         Beugen Sie den Ellbogen des Kindes und strecken Sie ihn wieder aus

 

·         Bewegen sie das Handgelenk und öffnen dabei Finger und Daumen

 

·         Fassen Sie mit beiden Händen an das Becken des Kindes und bewegen es vor und zurück

 

·         Nehmen Sie ein Bein an Ober- und Unterschenkel und führe kreisende Bewegungen im Hüftgelenk aus (zuerst kleine, dann immer größere Kreise)

 

·         Beugen Sie das Knie des Kindes und strecken es wieder

 

·         Nehmen sie den Fuß des Kindes mit einer Hand und bewegen das Sprunggelenk auf und ab

 

 

In jedem Fall:

 

·         Beobachten Sie Veränderungen in der Haltung/ den Bewegungen des Kindes und trainieren Sie seine Selbstständigkeit, indem Sie versuchen es alleine hinzusetzten/ stellen und gehen zu lassen (und geben Sie dabei immer weniger Unterstützung)- somit trainiert ihr Kind das Gleichgewicht, die Muskulatur und die „normalen“ Bewegungen werden angebahnt.

 

·         Sprechen Sie das Kind gezielt und bewusst auf die Therapie an und lassen Sie sich, sofern möglich, von seinen Erfahrungen mit den Pferden und dem Reiten berichten (dies manifestiert die Erlebnisse des Kindes).

 

 

Nur mit Ihrer Hilfe ist der optimale Erfolg der Hippotherapie gewährleistet!

 

Zusammen sind wir stark!

 

Alles Gute und viel Spaß bei der Therapie wünscht

 

Sabrina Seiler (Physiotherapeutin)

 

NEWS

25.04.2011

Erfahrungsbericht Volontariat Fundación Amor y Energía

Von Oktober 2006 bis März 2007 habe ich fünf Monate in der Fundación Amor y Energía als Volontärin gearbeitet. Die Stiftung, gelegen in Tumbaco, Ecuador, ermöglicht mittellosen Familien mit geistig und körperlich behinderten Kindern unentgeltliche Therapien. Finanziert wird das Projekt durch Reitunterricht für Privatpersonen sowie durch Spendengelder. Zur täglichen Arbeit gehörte die Pferdepflege, Mithilfe bei den Hippotherapien, Reitstunden, Training der Pferde sowie Umgebungsarbeiten wie reparieren von Zäunen oder Gartenarbeiten. Pferdekenntnisse sind sicher von Vorteil, weil sich ein Grossteil der Arbeit mit und um die Pferde handelt, wobei man sich auch ohne Pferdekenntnisse einarbeiten kann. Auch therapeutische Kenntnisse sind für die Fundación sehr hilfreich. Als Ergotherapeutin hatte ich die Möglichkeit, anschliessend an die Hippotherapien mit den Kindern ergotherapeutisch zu arbeiten. Zielgruppe fuer die Therapien sind Kinder und Erwachsene mit folgenden Krankheitsbildern: § Cerebralparese vor allem mit dem Erscheinungsbild der spastischen Di- und Tetraparese sowie hypotone und ataktische Erscheinungsbilder § Zustand nach Schaedelhirntrauma § Schlaganfallpatienten mit Hemiparese § Para- und Tetraplegiker § Down Syndrom § Verhaltensauffaelligkeiten (z.B. Hyperaktivitaet, Entwicklungsverzoegerung) § Angst-, Essstoerungen und Depressionen § Blindheit, Taubheit In den fünf Monaten waren deutliche Fortschritte durch die Therapiemassnahmen zu verzeichnen. Mit Freude konnte ich zusehen, wie ein Kind erste Schritte gelaufen ist, sich auf dem Pferd selbständig halten konnte oder zunehmend Vertrauen in das Pferd wie auch in sich selber fasste. Die Mehrheit der Kinder ist sehr glücklich auf dem Pferd, strahlt, und teilweise wollen sie überhaupt nicht mehr absteigen. Doch auch ängstliche Kinder gilt es zu motivieren und zu unterstützen. Von den Volontären braucht es ein grosse Portion Einfühlungsvermögen, um die Therapien den Möglichkeiten des Kindes anzupassen. Herzlichen Dank nochmals an alle für die unvergessliche Zeit in Tumbaco. Ich hoffe, dass ich irgendwann die Möglichkeit habe, euch wieder zu besuchen! Hasta pronto… Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung unter skriz@gmx.ch Simone Kriz - Schweiz