Zeugnis

Abschlussbericht
Über ein Praktikum in der Fundacion AM-EN in Tumbaco/Ecuador
Vom 12.10.2005-25.03.2006
Von Marianne Irmler


Einleitung
Vom 12.10.205 bis zum 25.03.06 habe ich in der Fundacion Am-En, geleitet, von Frau Heidi Paliz, im Rahmen der Betruung und Unterstützung von Kindern mit Behinderungen in Ecuador gearbeitet.
Das Angebot der Fundacion besteht hauptsÁchlich aus der Hippotherapie, einer Form de Physiotherapie auf dem Pferd, und dem Heilpädagogischen Reiten, welches jeweils montags bis freitags von 9-12 Uhr vormittags stattfindet. Neben diesen Therapien werden ausserdem mittwochs Sprachtherapie und Aromatherapie angeboten. An den Nachmitagen werden Reitstunden gegeben, deren Einnahmen die Therapien am Vormittag finanzieren, da die meisten Eltern der zu betreuenden Kinder kein Geld für derartige therapieutische Massnahmen haben. So bezahlt jedes Elternteil soviel wie es gerede kann. Die meisten Eltern sind sehr arm und können deshalb nur sehr kleine oder gar keine Beträge geben. An der Durchführung der Therapien helfen aus der Umgebung der Stadt - Freunde der Leiterin oder Personen, die eigentlich Reitunterricht in der Fundacion nehmen und sich für die therapeutische Arbeit interessieren.
Je nach dem, welche Menschen gerade in der Fundacion arbeiten, werden verschiedene Therapien zusätzlich angeboten: So wurde in der Zeit in der ich dort tätig war, mittwochs gelegentlich Tanztherapie angeboten; bevor ich zu der Fundacion kam, gab es einige Zeit eine Therapeutin, die mit ihrem Hund in der Fundacion tiergestützte Therapie durchführte; zum Ende meines Aufenthaltes war ein holländischer Reiki-Paktiker dort tätig und bat Therapien für die Kinder und Jugendlichen an.
Das Klientel der FUndacion besteht hauptsächlich aus Kindern mit Down-Syndrom, Kindern mit Sinnesbehinderungen (Hör- oder Sehbeeinträchtigugen), Kindern mit Cerebralparese oder anderen Paresen sowie autistischen Kindern. Die Altersspanne reicht von etwa einem Jahr bis ca. vierzig Jahren. Viele der Kinder werden von den Eltern zu Fuss zur Fundacion gebracht, wobei der Fussweg nicht sehr einfach ist, da die Fundacion etwa zwanzig Minuten von der nächsten Ortschaft entfernt liegt. Einmal in der Woche bringt ein Bus die Kinder zur Therapie und holt diese auch wieder ab. Dieser Bus wird wie viele Aktivatäten der fundacion ebenfalls durch Stiftungsgelder bezahlt.
Alltag
Meine Aufgaben bestanden hauptsächlich darin, die Hippotherapien vorzubereiten - die Pferde zu striegeln und mit dem Therapiegeschirr zu satteln - und in den Therapien zu helfen. In den Therapien wird jeweils eine Person benötigt, die das Pferd führt, eine, die direkt mit dem Klienten arbeitet und eine, die als Unterstützung neben dem Pferd mitläuft um bei Positionswechseln zu helfen oder besonders unsichere Klienten zu stützen und ihnen ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Anfangs habe ich hauptsächlich in den Therapien assistiert, um den Ablauf einer Therapie beobachten zu können ich selbst als Kontaktperson mit dem Klienten arbeiten. Hierzu gehört nicht nuer den Wechsel der Position einer Klienten duchzuführe, sondern auch, dem Klienten während der Therapie Aufgaben zu geben (z.B. bestimmte  Armbewegungen zu machen oder zur übung der Balance die Augen zu schliessen) und mit dem Klienten in Kontakt zu kommen. Dies ist besonders schwierig und interessant bei Klienten, die kaum Kontakt zu anderen Personen aufnehmen können, sei es dadurch, dass sie nicht sprechen können oder durch ihre Behinderung (z.B. Autismus) bedingt.
Das Pferd wird meist in Bezug auf die Bedürfnisse des Patienten ausgewählt, sowohl bezüglich der Grösse als auch des Charakters.
Eine Therapie dauert durchschnittlich zwanzig Minuten und im Anschluss an die Therapie wird auf einem Verlaufsbogen das Verhalten, eventuelle Fort- oder Rückshritte des Klienten und besondere Vorkommnisse während der Therapie eingetragen. Die meisten Klienten kommen einmal in der Woche - einige auch häufiger oder seltener - zur Fundacion, so dass man in Wochenabständen die Entwicklung der Patienten verfolgen kann. Während meines Aufenthaltes konnte ich bei mehreren Klienten besondere Fortshritte in sehr kurzer Zeit miterleben. Hierzu möchte ich gerne ein Fallbeispiel erläutern.
Fallbeispiel A.
A. ist 25 Jahre alt und hatte vor ca. zwei Jahren einen schweren Autounfall, nachdem er stark gelähmt war. Es war ihm fast unmöglich Laute zu formen, geschweige denn zu sprechen; auch aufrechtes Gehen war ihm nur mit Unterstützung weiterer Personen möglich. A. kann im Januar 2006 zu Fundacion AM-EN, un einmal in der Woche eine Therapie zu erhalten. Während und nach den Therapien wurde deutlich, dass A. nicht nur die eigentliche Therapie und die Bewegung auf dem Pferd zu Fortschritten in Sprache und Motorik verhalfen, sondern vor allem auch der Kontakt zu jungen Menschen und die Unterhaltungen über ganz alltägliche Themen. Da er vorher hauptsächlich im Rahmen eines Krankenhauses gelebt hatte und den gesamten Tag durch Pflegepersonal betreut wurde, tat es ihm nun sichtlich gut zumindest einmal in der Woche für eine halbe Stunde eine Spur von Alltag zu erleben.
Bus zu der letzten Woche meines Aufenthaltes wurde A. immer aufgeschlossener und konnte längere Gespräche verfolgen und sich selbst in diesen beteiligen. Zudem ging er nach jeder Therapie ohne Unterstützung durch die Reithalle und wollte sogar aus eigener Motivation heraus einmal mit einer der Voluntärinnen tanzen.
Ich denke, dass aus diesem Fallbeispiel sehr deutlich wird, dass nicht nur die rein physisch stimulierende Arbeit durch die übungen auf dem Pferd, sondern vor allem auch der zwischenmenschliche Kontakt, sowie auch der Kontakt zum Pferd eine wesentliche Rolle in der Hippoterapie spielen.
Ausserhalb der Therapien
Am Nachmitag von 15:00 bis 18:00 Uhr fanden die bereits erwähnten Reitstunden in der Fundacion statt. Da ich als Kind und Jugendliche geritten bin, konnte ich hierbei auch unterstützend mitwirken, indem ich sowohl die Pferde für die Stunde vorbereitere als auch einselne Reitstunden gegeben habe.
Kurz vor Wehnachten fand eine Weihnachtsfeier für alle Therapiepatienten der Fundacion und die Mitarbeiter statt. Es waren insgesamt etwa 200 Kinder und Jugendliche mit Behinderungen dort. Für die Kinder wurden Spiele veranstaltet, die Gemeinde und andere Privatpersonen hatten Geschenke und Essen gespendet, sowie Preise für eine Verlosung Kinder, Eltern und Mitarbeiter feierten zusammen mit einem Pfarrer und sangen Weihnachtslieder.
In ähnilicher Weise wurde im Februar ein Zusammentreffen der Patienten der Fundacion, einer Organisation für Kinder, deren Eltern im Gefängnis sind, einer Organisation für ältere Menschen von der Strasse und Kinder der britischen Schule von Quito gefeiert. Dieses Zusammentreffen sollte einer Kontaktaufnahme und einem Austaush innerhalb dieser verschiedenen Altersgruppen mit ihren vershiedenen sozioölonomischen Hintergründen dienen. Bei beiden Festen half ich jeweils bei der Oganisation un den Vorberitungen mi Zudem erschienen jeweils Artikel disbezUglich in der regionalen Zeitung.
Abgesehen von meinen Tätigkeiten in der Fundacion hatte ich die Möglichkeit für fünf Tage in einem anderen Ort mit einem Therapeuten verschiedene Institutionen für Kinder mit Beeinträchtigungen zu besuche. Der Therapeut hatte sich auf die Arbeit mit Hunden spezialisiert und ging wöchentlich in unterschiedliche Einrichtungen, um tiergestützte Therapie mit seinem Hund durchzuführen. Hierbei war es besonders interessant, die Unterschiede zwischen staatliche, privaten und kirchlichen Institutionen sehen zu könne.
Fazit
Ingesamt war der Aufenthalt in der Fundacion Am-EN für mich sehr bereichernd. Durch die direkte Rükmeldung von Eltern und Kindern, deren Dankbarkeit und Herzlichkeit konnte ich meine eigene Arbeit wehr motiviert durchführen. Zudem wurde für mich deutlich, dass man durch diese Dankbarkeit Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit gewinnt und die Arbeit somit sehr viel Freude bringt.
Neben den rein fachlichen Erfahrungen zählten jedoch auch die menschlichen und Kulturellen Erfahrungen zu sehr wesentlichen Erlebnissen für mich.
Für mich waren zudem die Eindrücke im Zusammenhang mit tiergestützter Therapie sehr eindruckvoll, so dass ish mich nun nach Weiterbildungen in diesem Bereich umsehen werde.

Kontaktadresse:
Marianne Irmler
Lange Strasse 46
44137 Dortmund
0231-2065624
marianneirmler@web.de


Bericht einer Voluntärin
Mellanie Jeller- Österreich

1. Lage
Eine halbe Stunden im Bus von Ecadors Hauptstadt Quito entfernt, liegt Tumbaco, Mit allem Notwendigen ausgestattet (Supermarkt - wie in Europa, Internet, Disco, Schwimmbad, und einer Umenge an kleinen Geschäftchen mit einheimischen Produkten - Früchten, Gemuese) ist Tumbaco zwar wuhig, aber doch attraktiv und ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge und kleine Reisen in die schöne Landschaft Ecuadors.
15 Minuten Fussmarsch von Tumbaco befindet sich die Fundation AM-EN. Für die, die gerne sportlich unterwegs sind (Joggen, Spazieren, evtl. Radfahren), ist die Umbegung wirklich ideal und sicher. Für die weniger Sportlichen ist es täglich möglich eine Mitfahrgelegenheit ins Ortszentrum zu bekommen.
Beim Ankommen trifft man nun zunächst das Haus der Freiwilligen und das der Familie des Reitlehrers an, bevor der Blick auf die grosse Reithalle, die Therapie -und Kursräumeund ide Stallungen freigegeben wird. Da sich die Fundation ganz im Grünen und an einem Fluss befindet, würde man so etwas zunächst nicht erwarten.
2. Wohnen
Das Wohnen im gemütlichen und bunten Haus der Freiwilligen ist kostenlos. Die 3 Scgkafzunner sind mit Regalen und Stockbetten eingerichtet. Es empfiehlt sich einen Schlafsack und Handtücher mitzubringen. Das Haus ist zwar mit Spannleintüchern und dünnen Decken ausgestattet, doch es kann in der Nacht kalt werde... auch wenn die Tage meist heiss sind.
Im Bad mit dusche gibt es heisses Wasser. Die Küche ist mit allem Notwendigen ausgestattet, für Speiss und Trank muss selbst aufgekommen werden.
Der nette Garten rund um das Haus läd zum Ausruhen in der Hängematte ein... wer möchte darf sich natürlich auch doprt kreativ ausleben und anpflanzen.
Die Wäsche kann entweder selbst bei Hand, oder für etwas Kleingeld in der Maschine des Reitlehrers nebenan gewaschen werden.
3. Arbeit
Das Schöne an der Arbeit in der Fundation ist, dass man sich selbst wirklich weit miteinbeziehen kann. Man ist immer für neue Ideen offen.
Doch selbstverständlich steht die therapeutische Arbeit im Vordergrund. Es werden Konventionale und unterstützende Terapien wie z.B. Physiotherape und Logopädie und alternative Therapien, wie Energie Therapien, Therapien mit Lehm und Hunden angeboten, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Reitherapie. Für diejenigen, die keine Erfahrung mit Kindern mit Behinderung, Pferden oder der Therapie haben... KEIN PROBLEM! Mit dem qualifizierten Personal kann durch Beobachtung,  Selbst- Tun und der nötigen Theorie alles an Ort und Stelle werden Der Spass darf dabei natürllich nich fehlen!!! Auch die notwendigen Sprachkenntnisse können durch das tägliche Üben schnell gewonnen werden - Keine Sorge!
Bei der Reitherapie Können, bei Menschen mit Behinderungen verschiedenster Art, durch diverse Eigenschaften des Pferdes (Körpertemperatur, Gangart, Anatomie... näheres dann in der Fundation) und den Positionen am Pferd grosse Fortschritte erziehlt werden.
Um die Sicherheit des Reiters zu gewährleisten ist es nötig genug quelifiziertes Personal zu haben - 3 Personen pro Pferd (einer führt das Pferd, 2 arbeiten mit dem Reiter).
Besonders shön ist es täglich mehr uber den Umgang und die Pflege der Pferde zu erfahren und die Kinder nach und nach kennenzulernen. Mit jeder Therapiestunde wächst das Vertrauen und die Zuneigung und es werden gössere Erfolge erzielt.
Bewegend, aktiv die Freude der Kinder mitzürleben, wenn sie auf dem Pferd sind ... Selbst die Kleinsten geniessen die Bewegung und die Wärme und können entspannen.
Das Schönste sind allerdings die Resultade. Wenn Kinder, von denen man es nie geglabut hätte, zu gehen oder zu sprechen beginnen und Mütter mit geringen finanziellen Mitteln eine Chance für ihr Kind erhalten. Die Beratung und der Austausch mit anderen Eltern ist für die Mütter von grösster Wichtigkeit. Es werden in der Fundation auch regelmässig Fortbildungen und Kuse für Lehrer -und Betreungspersonal von Menschen mit Behinderungen angeboten. Natürlich dürfen auch die Freiwilligen daran teilnehmen. Für theoretische Information, CD's und Lektüren über diese altbewehrte Therapie ist Heidi Paliz die Gründerin der Stiftung und die Person, die Reittherapie in Ecuador, Zentralamerika, Peru, Boliven, et. Eingeführt hat, immer die beste Anlaufsstelle.
Am Morgen kann somit mit den Pferden geholfen werden. Dann, um 9.oo beginnt die Therapie, wobei, wöchentlich die gleichen Institutionen mit Kinder (Taubstumme, Blinde, Kinder mit geistiger Behinderung... ) kommen, jodoch haben alle ihren fixen Wochentag. Bis 12.oo dauert die Therapie. Danach werden die Pferde versorgt und dann kann selbst gekocht und entspannt werden.
Am Nachmittag gibt es Reitstunden, wo mitgeholfen oder nach Absprache selbst mitgeritten werden kann. Auch Voltigieren kann ausprobiert werden.
Die 17 Pferde verschiedenster Rassen sind übrigens wunderschön... ein Traum für jeden Pferdeliebhaber!
Es gibt auch sonst viel zu tun, und ab und zu wird man zum Mithelfen in den Stalllungen oder in Garten gebeten. Die Freizeit kommt allerdings nie zu kurz, und mit den anderen Freiwilligen kann die Zeit in der Fundation sehr genossen werden... ein guter Tipp ist auch Heidis Bücherschrenk, in dem man so manchen Klassiker finden kann!
Viel Erfolg und geniess die Zeit der Fundation AMEN und in Ecuador!

Melanie Jelle (Freiwillige in der Fundation von Mai-bis August 2005)
E-Mail: jellanie@gmx.at        Fragen!
 
Nadine Fischer 2006

 Nach einem sehr langen und anstrengenden Flug kam ich endlich mitten in der Nacht in Quito – der Hauptstadt Ecuadors – an. Den ersten Eindruck kann man schwer beschreiben – ich war noch völlig übermüdet, dazu die Zeitumstellung, das fremde Land und die für mich noch relativ fremde Sprache.

Die Fundación, in der ich mein Praktikum absolvieren will, befindet sich ca. 1 Stunde von Quito in einem Tal, eine halbe Stunde von einem Dorf namens Tumbaco entfernt. Wir, eine ebenfalls deutsche Praktikantin und ich,  waren in einem kleinen Haus in der Fundación untergebracht. Anfangs hatte ich ein eigenes Zimmer, das ich später mit einer Spanierin aus Madrid teilte, dazu gab es eine kleine Küche, in der wir kochen konnten sowie ein Bad. Die Unterkunft war klein, aber gemütlich und dem Standard des Landes entsprechend.

Gleich am ersten Tag zeigten mir die Mitarbeiter der Fundación das Anwesen. Die Fundación besteht aus einer Reithalle, in der auch die Reittherapien stattfinden, einem Gebäude, in dem sich das Büro und der Raum für die Bewegungs- und Sprachtherapie befinden, des Weiteren ein angrenzendes Häuschen, in dem die Aromatherapie angeboten wird.

Die Arbeit gestaltete sich sehr vielfältig: morgens  kamen Gruppen von Kindern mit verschiedenen Behinderungen und mittags fand Reitunterricht statt. Unsere Arbeit begann jeden Morgen pünktlich um acht Uhr. Zuerst versorgten wir die Pferde mit Hafer und Wasser, putzten, striegelten und sattelten sie. Um neun Uhr kamen dann jeden Tag ca. 12-20 Kinder, manchmal auch mehr.  

Und jeden Tag kamen andere Kinder verschiedenster Einrichtungen mit jeweils verschiedenen Erkrankungen. So gehörte der Montag zum Beispiel einer Gruppe von ausschließlich gehörlosen oder taubstummen Kindern, dienstags kamen Patienten, die Down Syndrom haben und mittwochs die Eltern persönlich mit ihren Kindern, meist aus ärmeren Schichten. An diesem Tag gibt es auch einen organisierten Bus der Fundación, der die Eltern mit ihren Kindern von Quito zu der Fundación bringt. Bezahlt wird je nach finanzieller Lage der einzelnen Familien, die meisten bezahlen daher nichts. Finanziert werden muss dies auch und das wird größtenteils – neben Spenden – durch den mittags stattfindenden Reitunterricht meist wohlhabender Ecuadorianern und Europäern abgedeckt.

Mit jedem Kind arbeiteten wir ca. 15 Minuten auf dem Pferd. Es wurde dabei individuell mit jedem Einzelnen, je nach Grad der Behinderung, gearbeitet.

Zuerst mussten wir überlegen, welches Pferd für welches Kind zum Einsatz kommt. Je nach Grad der Behinderung und Alter konnte das Kind alleine auf das Pferd sitzen. In diesem Fall lief immer einer von uns nebenher, einer führte das Pferd. Wir leiteten dann das Kind an, verschiedene Übungen zu machen. Dazu gehörte zuerst einmal das Auflockern der Arme, dann musste der Patient die Arme kreisen lassen, nach hinten oder nach vorne strecken. Zudem gibt es verschiedene Sitz- und Liegepositionen auf dem Pferd. So liegen die kleinen Patienten zum Beispiel rücklings- und bäuchlings auf dem Pferd,  um so den Rhythmus des Pferdegangs zu spüren, den direkten Kontakt zum Tier zu halten, und vor allem Vertrauen zum Therapeuten und zum Tier zu gewinnen. Bei diesen „Liegepositionen“ war es immer sehr wichtig, dass mindestens einer, oft auch zwei, von uns das Kind festhielt.

Oft jedoch war der Grad der Behinderung so stark oder die Kinder schlichtweg zu klein, dass einer von uns mit auf das Pferd saß. Wir massierten dann zuerst die Arme und hielten sie z.B. hoch, zur Seite etc. Im Falle der Liegepositionen stieg derjenige jedoch ab, um das Kind in die Position zu bringen und festzuhalten.  

Größere Kinder, die selbständig auf dem Pferd sitzen konnten, leiteten wir an zum so genannten  „therapeutischen Reiten“, d.h. die Kinder reiten alleine, natürlich unter Aufsicht, im Trab in der Reithalle.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach jeder Therapie vermerkten wir in der jeweiligen Akte der Kinder den Therapieablauf, den Zustand des Kindes, Verbesserungen etc.

Mit dieser Reittherapie werden im Allgemeinen sehr gute Resultate erzielt. So brachte zum Beispiel ein zehnjähriges Kind, das durch ein Trauma nicht sprach, die ersten Laute auf dem Rücken eines Pferdes hervor. Oder aber ein Zwanzigjähriger, der nach einem Verkehrsunfall lange Zeit im Koma lag, konnte nach einem halben Jahr Reittherapie wieder erste Schritte gehen. Mit einem Mann, der aus den USA anreiste und an Multiple Sklerose erkrankt war, arbeiteten wir drei Wochen lang fast jeden Tag. Auch hierbei konnte der Patient deutliche Verbesserungen verspüren – neben Auflockerung der Muskeln und einer besseren Beweglichkeit des Rumpfes konnte auch eine Verbesserung der Konzentration erzielt werden. Gans begeistert erzaehlte dieser Patient, dass er durch die Therapie wieder sexuell tätig geworden ist.

Der Kontakt mit den Kindern und deren verschiedenenartigen Krankheiten gestalteten die Arbeit sehr vielfältig und interessant. Zum einen musste man sich  individuell auf jedes Kind einstellen, je nach Wesen und Krankheit des Kindes, aber auch je nach Pferd. Die meisten Therapiepferde sind geduldig, an Kinder und die Therapien  gewöhnt. Jedoch gab es auch viele Kinder, die Angst vor großen Pferden hatten oder aber auch unbewusst schon ihr Lieblingspferd auserkoren hatten. Die Überlegung bei jedem einzelnen Kind, mit welchem Pferd man die Therapie gestaltet, war daher unablässig. 

Neben der Reittherapie hatten wir auch die Gelegenheit bei der Aroma-, Sprach- und Energietherapie mitzuwirken. Die beiden letzteren wurden nur zweimal in der Woche angeboten, der Andrang war an diesen beiden Tagen dann besonders hoch.

Zu der Aroma- und Energietherapie kam eigens eine Therapeutin, die mit Musik, Massage und Duftölen arbeitete. Die Sprachtherapie fand ausschließlich mittwochs statt, zu der auch die meisten Kinder kamen. Zu Beginn einer jeden Therapie wurde ein Sprachtest durchführt, um so individuell die Notwendigkeit eines jeden Patienten zu erkennen und die Therapie gestalten zu können.

Auf dem Hof wohnte der ecuadorianische Reittherapeut und – lehrer mit seiner Familie. Wir hatten engen Kontakt mit der Familie, weswegen ich nicht nur während der Arbeit sondern auch in der Freizeit fast ausschließlich spanisch sprach und nun die Sprache flüssig beherrsche.

Zudem hatte ich an den Wochenenden natürlich auch die Gelegenheit, ausgiebig das Land zu bereisen. Es gibt keinen Zug, sondern nur Busse in Ecuador. Busfahrten sind nicht teuer und es gibt selbst in die entlegensten Winkel des Landes eine Busverbindung.

Das Land und die Natur dieses Landes sind überaus vielfältig. Es gibt drei Hauptregionen in Ecuador – das Hochland (la Sierra), die Küste (la Costa) und den Dschungel (la Selva), alle Regionen mit ihrer eigenen, unbeschreiblichen und einzigartigen Flora und Fauna und ihren eigenen innerregionalen Kulturen. Die sehr traditionsbewussten Hochlandindianer unterschieden sich daher nicht nur äußerlich durch ihre farbenfrohen Trachten und Hüten. Auch verschiedene Feiertage, Feste und Gebräuche zeichneten die Hochlandbewohner von Küstenbewohnern und Amazonasindianern ab. Ich bereiste selten ein Land, wo Tradition und Moderne so eng miteinander lebten. Es war daher nicht schwierig, einen Einblick in diese verschiedenen Kulturen zu gewinnen.

Ich bestieg den Vulkan Cotopaxi – der höchste freistehende, schneebedeckte und noch aktive Vulkan der Welt mit einer Höhe von 5.390 Metern. Danach ging es weiter in den Dschungel. Erstaunlich ist, dass man schon wenige Stunden später  per Bus dahin gelangte – der Amazonasdschungel, tropisch-heiße 30 Grad, immer grün und ganz anders als die Umgebung des Cotopaxi.  Hier nahm ich an einer zweitätigen Tour mit dem Einbaum durch den Dschungel teil.

Die Küste überraschte dann wiederum mit eigenem Klima und Vegetation.

Abschließend möchte ich hinzufügen, dass die Erfahrungen dieses Praktikums für mich persönlich sehr wertvoll und wichtig waren - nicht nur sprachlich, sondern vor allem auch menschlich. Ich wurde von Anfang an herzlich aufgenommen und kann daher ein Praktikum bei der Fundación AMEN nur empfehlen. Wer mich persönlich anschreiben oder anrufen will, kann dies gerne tun.

Nadine Fischer

Kleiner Griechenmarkt 22

50676 Köln

 0221-4767063

 mailto:sunadine@gmx.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Erfahrungsbericht Volontariat Fundación Amor y Energía

 

 

Von Oktober 2006 bis März 2007 habe ich fünf Monate in der Fundación Amor y Energía als Volontärin gearbeitet. Die Stiftung, gelegen in Tumbaco, Ecuador, ermöglicht mittellosen Familien mit geistig und körperlich behinderten Kindern unentgeltliche Therapien. Finanziert wird das Projekt durch Reitunterricht für Privatpersonen sowie durch Spendengelder.

Zur täglichen Arbeit gehörte die Pferdepflege, Mithilfe bei den Hippotherapien, Reitstunden, Training der Pferde sowie Umgebungsarbeiten wie reparieren von Zäunen oder Gartenarbeiten.

Pferdekenntnisse sind sicher von Vorteil, weil sich ein Grossteil der Arbeit mit und um die Pferde handelt, wobei man sich auch ohne Pferdekenntnisse einarbeiten kann. Auch therapeutische Kenntnisse sind für die Fundación sehr hilfreich. Als Ergotherapeutin hatte ich die Möglichkeit, anschliessend an die Hippotherapien mit den Kindern ergotherapeutisch zu arbeiten.

Zielgruppe fuer die Therapien sind Kinder und Erwachsene mit folgenden Krankheitsbildern:

 

 

§         Cerebralparese vor allem mit dem Erscheinungsbild der spastischen Di- und Tetraparese sowie hypotone und ataktische Erscheinungsbilder

§         Zustand nach Schaedelhirntrauma

§         Schlaganfallpatienten mit Hemiparese

§         Para- und Tetraplegiker

§         Down Syndrom

§        Verhaltensauffaelligkeiten (z.B. Hyperaktivitaet, Entwicklungs verzoegerung)

§         Angst-, Essstoerungen und Depressionen

§         Blindheit, Taubheit

 

In den fünf Monaten waren deutliche Fortschritte durch die Therapiemassnahmen zu verzeichnen. Mit Freude konnte ich zusehen, wie ein Kind erste Schritte gelaufen ist, sich auf dem Pferd selbständig halten konnte oder zunehmend Vertrauen in das Pferd wie auch in sich selber fasste. Die Mehrheit der Kinder ist sehr glücklich auf dem Pferd, strahlt, und teilweise wollen sie überhaupt nicht mehr absteigen. Doch auch ängstliche Kinder gilt es zu motivieren und zu unterstützen. Von den Volontären braucht es ein grosse Portion Einfühlungsvermögen, um die Therapien den Möglichkeiten des Kindes anzupassen.

Herzlichen Dank nochmals an alle für die unvergessliche Zeit in Tumbaco. Ich hoffe, dass ich irgendwann die Möglichkeit habe, euch wieder zu besuchen!

Hasta pronto…

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung unter skriz@gmx.ch

Simone Kriz - Schweiz

NEWS

25.04.2011

Erfahrungsbericht Volontariat Fundación Amor y Energía

Von Oktober 2006 bis März 2007 habe ich fünf Monate in der Fundación Amor y Energía als Volontärin gearbeitet. Die Stiftung, gelegen in Tumbaco, Ecuador, ermöglicht mittellosen Familien mit geistig und körperlich behinderten Kindern unentgeltliche Therapien. Finanziert wird das Projekt durch Reitunterricht für Privatpersonen sowie durch Spendengelder. Zur täglichen Arbeit gehörte die Pferdepflege, Mithilfe bei den Hippotherapien, Reitstunden, Training der Pferde sowie Umgebungsarbeiten wie reparieren von Zäunen oder Gartenarbeiten. Pferdekenntnisse sind sicher von Vorteil, weil sich ein Grossteil der Arbeit mit und um die Pferde handelt, wobei man sich auch ohne Pferdekenntnisse einarbeiten kann. Auch therapeutische Kenntnisse sind für die Fundación sehr hilfreich. Als Ergotherapeutin hatte ich die Möglichkeit, anschliessend an die Hippotherapien mit den Kindern ergotherapeutisch zu arbeiten. Zielgruppe fuer die Therapien sind Kinder und Erwachsene mit folgenden Krankheitsbildern: § Cerebralparese vor allem mit dem Erscheinungsbild der spastischen Di- und Tetraparese sowie hypotone und ataktische Erscheinungsbilder § Zustand nach Schaedelhirntrauma § Schlaganfallpatienten mit Hemiparese § Para- und Tetraplegiker § Down Syndrom § Verhaltensauffaelligkeiten (z.B. Hyperaktivitaet, Entwicklungsverzoegerung) § Angst-, Essstoerungen und Depressionen § Blindheit, Taubheit In den fünf Monaten waren deutliche Fortschritte durch die Therapiemassnahmen zu verzeichnen. Mit Freude konnte ich zusehen, wie ein Kind erste Schritte gelaufen ist, sich auf dem Pferd selbständig halten konnte oder zunehmend Vertrauen in das Pferd wie auch in sich selber fasste. Die Mehrheit der Kinder ist sehr glücklich auf dem Pferd, strahlt, und teilweise wollen sie überhaupt nicht mehr absteigen. Doch auch ängstliche Kinder gilt es zu motivieren und zu unterstützen. Von den Volontären braucht es ein grosse Portion Einfühlungsvermögen, um die Therapien den Möglichkeiten des Kindes anzupassen. Herzlichen Dank nochmals an alle für die unvergessliche Zeit in Tumbaco. Ich hoffe, dass ich irgendwann die Möglichkeit habe, euch wieder zu besuchen! Hasta pronto… Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung unter skriz@gmx.ch Simone Kriz - Schweiz